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Presseartikel

 



Nicht nur unsere Arbeitspartner, die Verlage und Medienproduzenten, betreiben Werbung und Kontaktpflege, um ihre Produktionen bekannt und gegenwärtig zu machen. Zeitgleich und zusätzlich setzt auch die Literaturagentur ihre über die Jahre gewachsenen Kontakte ein, um in Abstimmung mit Medien und Verlagen oder in Eigeninitiative die gegebenen Möglichkeiten zu nutzen und nachhaltige Wirkung zu erzielen.

 



Der Vater der Science-Thriller Regisseur Rainer Erler wird 80

 


Mainz. Science-Thriller waren seine Spezialität. In Rainer Erlers Filmen geht es um Organhandel, Gentechnik und Wissenschaftsthemen mit Risiken. Dass vor jeder Filmveröffentlichung eine bestimmte Interessengruppe protestierte, gehörte in den 70er Jahren zur Arbeit des Regisseurs. Jetzt wird er 80 Jahre alt.

Organhandel, Atommüll oder die Gefahren der Gentechnik: Der TV-Regisseur Rainer Erler hat immer wieder auf die Risiken des Fortschrittsglaubens aufmerksam gemacht. Er prägte in den 70er Jahren das Genre des Science-Thrillers. Einen Platz in der deutschen TV-Geschichte hat Erlers beklemmender Film Fleisch von 1979: Ein Mann (Herbert Herrmann) gerät auf seiner Hochzeitsreise in die Fänge einer Bande, die in großem Stil Menschen entführt, ihnen Organe entnimmt und diese teuer verkauft. Eine berühmte Szene: Die Braut, gespielt von Jutta Speidel, kann knapp bekleidet gerade noch fliehen und wird von einem Ambulanzwagen der Organ-Mafia durch die Wüste verfolgt. Erler wird am Montag (26. August) 80 Jahre alt.

 

Vor jedem Film gab es Proteste: "Es gibt keinen Film von mir, wo sich nicht ganz bestimmte Interessengruppen ganz vehement vorher dagegen gestellt oder protestiert hätten", sagt Erler einmal in einem Interview. Filme hat der gebürtige Münchner schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gemacht und sich stattdessen auf das Schreiben verlegt.

Zum 80. Geburtstag senden ZDF und ZDFkultur noch einmal zwei seiner bekanntesten Fernsehfilme: Fleisch ist in der Nacht zum Samstag (23. August auf 24. August) um 1.30 Uhr im ZDF zu sehen. Am Sonntag (25. August) läuft um 22.00 Uhr in ZDFkultur Der Gigant. In dem 1975 entstandenen Abschlussfilm der Reihe Das Blaue Palais, entwickelt ein Chemiker (Dieter Laser) einen neuen Werkstoff, der die zur Neige gehenden Rohstoffvorräte ersetzen soll. Als er immer dringlicher auf die dabei anfallenden, umweltzerstörenden Schadstoffe aufmerksam macht, verliert der Forscher seine Existenz. In weiteren Rollen sind unter anderen Helga Anders und Peter Fricke zu sehen. (dpa)

Quelle

  

Alle Bücher von Rainer Erler wurden über die Literaturagentur veröffentlicht.

 



Rainer Erler wird 80



Mehr als vierzig Spielfilme für Fernsehen und Kino, produziert in über 30 Ländern, vierzehn Romane, zwei Dutzend Erzählungen und Kurzgeschichten, fünf Bühnenwerke mitstets zeitlos aktuellen, außergewöhnlichen, mitunter provozierenden und kontroversen Themen.
Gesellschaftskritische Filmkomödien, darunter die Klassiker Seelenwanderung, Orden für die Wunderkinder, Endkampf, Die Halde und Ein Guru kommt, die Kultfilme Fleisch, Die letzten Ferien, Die Quelle. Die Polit-Thriller Plutonium, Reise in eine strahlende Zukunft und das SF-Psychodrama Operation Ganymed. Die legendäre fünfteilige Science-Thriller-Reihe Das Blaue Palais, zukunftskritisch und von der Realität bereits fast eingeholt, was Rainer Erler das Prädikat prophetisch einbrachte und insgesamt 27 Auszeichnungen aufnationalen und internationalen Film- und Fernseh-Festivals, dazu sechs Literaturpreise.

Im Jahr 2004 erhielt Rainer Erler den Deutschen Fantasy-Preis der Stadt Passau. Und für sein Gesamtwerk das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Bundespräsident Johannes Rau.

 


Zum Achtzigsten Geburtstag von Rainer Erler (am 26. August 2013) sendet das Deutsche Fernsehen:

Fleisch – im ZDF am 23.08.2013
mit Jutta Speidel, Herbert Herrmann, Wolf Roth, Charlotte Kerr und Ronnie Lee Williams

Das Blaue Palais, Folge 5 & Der Gigant – in ZDFkultur – am 25.08.2013
mit Dieter Laser, Peter Fricke, Ben Zeller und Silvano Tranquili

Die Quelle – Bayerisches Fernsehen am 25.08.2013
mit Herbert Herrmann, Josefa Guerra Sinsolo, Siegfried Wischnewski, Wolf Harnisch

und der Klassiker von 1963: Seelenwanderung – im WDR am 26.08.2013
mit Hanns Lothar und Wolfgang Reichmann

 



Artikel aus dem Stadtmagazin; Berlin November 2013

 

Der Computer wurde doch in Rudow erfunden ... oder? ... Und ein beliebter Fernsehmoderator isst eine Wurst auf der Krokusstraße

von Axel Poldner

 

Nein, nein, der Computer wurde nicht in Rudow erfunden, wenngleich wir alles postulieren wollen, was der Stadt Berlin und unserem Stadtteil Rudow guttut und Ruhm und Ehre ausläutet. Jedoch hat die Stadt Berlin mehr Erfindungen der Neuzeit zu vermelden als alle anderen Länder und Städte unserer Erde zusammen. Da kann man als Stadt schon mal die Übersicht verlieren …

Barack Obama, der 44. Präsident der USA, wurde jüngst unisono von der ganzen Weltpresse belacht, als er vor einigen Jahren bemängelte, dass die USA, die schließlich den Computer erfanden, es immer noch nicht fertig gebracht haben, den Computer in allen Schulen zu platzieren. Das war auch der Auslöser für die Heiterkeit der Medien in der Welt, die den Präsidenten tadelten und sich einen Jux mit ihm machten. Und beim Menschen auf der Straße wird der Name des Erfinders immer gegenwärtiger, zumal dieses elektronische Instrument in den Räumen der Häuser beruflich und privat Wohnrecht reklamiert.

Im Jahre 1941 wurde in Berlin der erste in allen Komponenten funktionsfähige Digitalrechner Z3 vorgeführt.

Der Schöpfer der ersten vollautomatischen und frei programmierbaren, in binärer Gleitpunktrechnung arbeitenden Rechenanlage, die wir heute als Computer bezeichnen, war Konrad Zuse.

Und dieser mahnte und warnte mit heiter-listigen Worten vor einer Abhängigkeit von diesen Instrumentarium und gab mit dem Text eine mögliche Erlösung für die süchtig Betroffenen: „Dann zieht den Stecker raus …“

Nun – es ist da, das Instrumentarium, und Berlin beginnt seinen Namen zu feiern. Und bevor Konrad Zuse noch in den Himmel der Germanen, die Walhalla, kommt, sollte doch alles als Buch erfasst werden

Aber irgendwann wird oder hat jeder Name auch seine Gestalt. Und so trug es sich zu, dass einem seinem Vater verräterisch ähnelnder Horst Zuse in Rudow am Hause im Bitterfelder Weg 81 klingelte, das so ganz und gar nichts mit der Walhalla zu tun hat, wohl aber Bücher kreiert.

Und besagter Prof. Dr.-Ing. Horst Zuse ist der von seinem Vater bevollmächtigte Sohn, der in die Welt des Computers eintauchte und über die Arbeit seines Vaters von diesem autorisiert ist zu berichten. Und seltsam, für seinen doch weltweit bekannten Vater, für den es ein Denkmal und ein Museum gibt, wollte er sich nur zögerlich mit dem Gedanken anfreunden, ihm das ultimative Denkmal zu setzen: ein Buch.

Einmal entschlossen fand man auch den Buchtitel: Konrad Zuse – Ein genialer Erfinder und seine Familie.

Und seit diesem Tage wird zusammen mit dem Sohn, Horst Zuse, an dem Buch in der Literatur-Agentur Axel Poldner gearbeitet. Und da in Berlin im Stadtteil Rudow der Computer zwar nicht erfunden wurde, kommt doch als Dreingabe das Buch darüber aus Rudow, um aus diesem Stadtteils das Buch in die Welt zu bringen. Na bitte.

Nun ist es ja keine Seltenheit, dass bekannte oder prominente Menschen in Rudow rumlaufen und selten bemerkt werden. Sei es Mario Adorf, Hardy Krüger, Katja Riemann, Künstler, Abenteurer, Fernsehschaffende, berühmte Köche, weltbekannte Sportler, Politiker, also populäre Menschen eben, weil es gilt, von dem in Rudow beheimateten Medienbüro Axel Poldner Rat und Tat einzuholen, Weichen zu stellen, Schienen zu legen, Filme zu konzipieren oder ganz einfach Ihre Erlebnisse, ihre Lebensgeschichten, so sie dann für die Allgemeinheit interessant sind, zu veröffentlichen.

Umso erstaunlicher war es, dass einer auffiel. Der ehedem bei SAT.1 in Berlin tätige kreative Moderator Frederic Meisner. Er kam aus München und hatte diesmal eine Kochshow in Berlin zu moderieren. Und auch er kam, bevor es losging, einen Tag früher nach Berlin, um in der Literatur-Agentur am Bitterfelder Weg 81 Axel Poldner zu treffen, mit dem er ohnehin vor Jahren schon die populäre und erfolgreiche Serie < SAT.1. TRAUMREISE >realisiert hatte. Jetzt galt es, die nächsten Pläne abzustimmen. Frederic Meisner, der die Stadt Berlin kennt und lange Jahre die beliebte Show Das Glücksrad aus Berlin moderierte, kannte den Stadtteil Rudow nur dem Namen nach.

Also los. Besprechung unterbrechen, Stadtteil besichtigen. Krokusstraße und Alt-Rudow gehören zum Pflichtprogramm. Auf der Krokusstraße fiel ein kleiner Laden auf, an den sich eine Sitzecke mit großem Schirm zum Verweilen schmiegte. Also gut. Hinsetzen und lesen: „Neuland. Wurst und Fleisch von glücklichen und artgerecht gehaltenen Tieren“. Das war was für Meisner. Rein in den Laden und zurück mit den Würsten für unseren Tisch. Allerdings hatten wir bei dem Prachtwetter im Kleinen Landhaus reserviert, verköstigten aber die Wurst trotzdem. Wie auch immer: Frederick Meisner fiel auf, wurde wahrgenommen und es dauerte nicht lange, bis die Ersten um Autogramme baten und das Gästebuch vorgelegt wurde. Nach Speis und Trank ging es dann noch in die nachbarlich gelegene Cecchina Cantina, in der uns der beliebte Chef des Service Mimi wie alte Freude begrüßte.

Und tatsächlich: Frederick Meisner, erstmals in Rudow, erkannte Mimi noch aus seiner Zeit, als der vor vielen Jahren noch Oberkellner in einem Promi-Lokal im Zentrum war.


Also alles gelungen, ein Buchprojekt mit Axel Poldner besprochen, eine neue Fernsehshow konzipert und ein Wiedersehen gefeiert.

Im ausklingenden Sommer. In Rudow.


Karasek

 


 

Artikel aus der Fachzeitschrift Buchhändler heute

 

Eine Begegnung mit Hellmuth Karasek

 

Wer sagte denn nun zu Herrn Anders

"Guten Tag, Herr Blubber"?

von Axel Poldner

 

 

Es beginnt zu regnen. Ganz leicht zwar, mehr eine nieselnde Feuchtigkeit in der Luft — aber ich gehe den Weg von der Potsdamer Straße in Berlin zum 'Café Einstein' doch zu Fuß. Dort kommt mir im Gegenlicht Hellmuth Karasek entgegen: "Ich sitze draußen im Garten, es regnet jetzt zwar stark, aber unser Tisch bleibt trocken."

Da war das doch in Wien ganz anders. An einem heißen Augusttag trafen wir uns vor Jahren in der Nähe des Stephansdomes. Ein reiner Zufall. Hellmuth Karasek trat aus dem Restaurant 'Weißer Schornsteinfeger', ich stand vor dem Hotel 'Königin Elisabeth', direkt gegenüber. Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Sofort kamen wir auf offener Straße in ein anregendes Gespräch, keineswegs nur über Literatur.

Wir treffen uns ohnehin meist zufällig — in Wien, in Frankfurt, im Foyer des Hotels 'Kempinski' in Berlin — und wir sprechen jetzt darüber, über den Zufall, denn der spielt immer eine Rolle. Für Hellmuth Karasek. Und damit diskutieren wir nahezu zwangsläufig gleich über sein neues, bei Rowohlt erschienenes Buch mit dem Titel Das Magazin, das er unter das Motto "Jeder Zufall ist ähnlich — jede Ähnlichkeit ist rein" stellt.

Wir sprechen über das Buch, seinen Inhalt und immer wird erkennbar, dass Hellmuth Karasek dieses Buch schreiben musste. Das Magazin. Er war ja drin, mitten drin, im Magazin — als Mitarbeiter der Zeitschrift Der Spiegel.
Was also läge näher, als jetzt diese Zeit literarisch aufzuarbeiten? Klar. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, mir vorzunehmen, dieses Buch sehr genau zu lesen, zumal als sicher gilt, dass ich bei den bereits terminierten Autoren-Lesungen nicht anwesend sein kann. München steht bis dato ohnehin noch nicht auf dem Plan.

Billy Wilder. Ein Mann, der nicht nur mich fasziniert. Karasek hat ein Buch mit ihm geschrieben, über ihn. Meine Frage nach seiner Muttersprache Deutsch kommt mir unmittelbar nach dem Aussprechen selbst komisch vor, zumal Hellmuth Karasek zu mir sagt, dass Billy Wilder besser Deutsch "als wir beide" spreche.

Der Kellner kommt, den Regenschatten nutzend, mit Kaffee, Mineralwasser und einem Weißbier. Hellmuth Karasek zündet sich ein Zigarillo an und deutet die Ruhe aus, die dieser Vorgang signalisiert. Aber Rauchen ist für uns heute ohnehin kein Thema.

Der Regen hat etwas nachgelassen. Wir sprechen über den Buchhandel, die großen Buchhandelsketten, die Zukunft des Buchhandels im neuen Jahrtausend und immer wird für mich deutlich, dass es für Hellmuth Karasek um die Literatur geht. Nicht um Bestseller oder Erfolge, nicht vorrangig um das, was am meisten beworben und im Gespräch ist. Er liest sehr gerne, er spricht gerne über Bücher, aber er ist kein Bücherwurm im Sinne alter Interpretationsvarianten. Vielmehr sitzt mir ein Mann gegenüber, der dem Leben mit allen Facetten zugetan ist, vor allem auch dem Humor.

Wir lachen viel bei unserem Gespräch und natürlich müssen wir über unsere gemeinsame "Penne" sprechen, unsere gemeinsame Schule, die wir zu verschiedenen Zeiten in der kleinen Stadt Bernburg besucht haben, die malerisch an der Saale liegt. Natürlich erzähle ich ihm die Geschichte, die dort jahrelang kursierte und vielleicht auch heute noch lebendig ist. Die Geschichte vom Studienrat Anders, den alle nur "Blubber" nannten:

 

Eines Tages kam in das Gymnasium ein neuer Schüler, der sich korrekt vor dem jeweiligen Unterrichtsbeginn vorstellte: "Guten Tag Herr ..., mein Name ist ... Ich bin der neue Schüler."

Und dann kam die Stunde des Studienrates Anders, der nur "Blubber" geheißen wurde. Also ging dieser Schüler auch vor und sagte guten Glaubens: "Guten Tag, Herr Blubber, ich möchte mich vorstellen ..." — weiter kam er nicht, denn der hochrot anlaufende Angesprochene brüllte: "Ich heiße nicht Blubber, ich heiße Anders."

Aber der Schüler konterte ungerührt: "Wie denn, Herr Studienrat?"

Eine saftige Ohrfeige des gereizten Protagonisten war der Dank für das unschuldige Nichtwissen des Schülers. Hellmuth Karasek lacht und sagt: "Ich war der besagte Schüler."

Ich bin fassungslos — vierzig Jahre nach dem Erlebten und der immer wieder in Bernburg erzählten Geschichte sitzt er mir nun gegenüber: Hellmuth Karasek war's.

 

Gemeinsame Kindheits- und Jugenderinnerungen — wenn auch etwas zeitversetzt, so haben wir doch eine kurze gemeinsame Heimat gehabt. Das verbindet und schafft einen vertraulichen Gedankenaustausch. Wir sprechen also auch über seinen und meinen Berufsweg, erkennen auch dort gemeinsame Berührungspunkte.

Dann geht das Telefon: Irgendwo in der Nähe der Friedrichstraße soll Hellmuth Karasek heute ab 18 Uhr auf dem Podium Rede und Antwort stehen. Unvermittelt habe ich den Eindruck, dass er es gerne macht. Ich glaube zu wissen, dass sein Tagesablauf minutiös verplant ist, ein Weg zwischen und mit der Literatur und ihren Begleiterscheinungen. Ein Leben mit dem Leben.

Und doch weiß ich, dass der Mann, der mit dem dritten Streichholz gerade vergeblich versucht, das Zigarillo zu entzünden, nicht von der Gegenwartskrankheit Stress befallen ist oder gefährdet sein könnte. Nein — mit Hellmuth Karasek wird das Medium Buch lebendig, Bestandteil des alltäglichen Lebens, so, als wenn es nichts anderes gibt als eben unser Leben mit den Büchern, durch die und mit denen man dann wieder richtig mitten im Leben stehen kann.

Hellmuth Karasek erlebt Literatur und macht Literatur zum Erlebnis, er erfüllt die für Außenstehende stoisch scheinende Bücherwelt mit Temperament, Gegenwartsnähe und einem Humor, der nicht nur sich infrage stellt und gut erkennbar einen absoluten Gültigkeitsanspruch verneint.

Genau das ist es wohl auch, was den Menschen und Autor Karasek so liebenswert, so interessant macht und man immer wieder den Wunsch hat, mit ihm zu reden, am besten den ganzen Tag und die Nacht dazu. Es ist ein Genuss, mit Hellmuth Karasek über Literatur zu diskutieren — über seine Bücher zu sprechen, ein Erlebnis. Man muss seine Bücher einfach lesen und dann gleich mit Ungeduld auf das nächste warten. Ungeduld: eine Eigenschaft, die ferne von ihm ist.

Es regnet immer noch stark. Aber wir müssen ja irgendwann wieder gehen, den Regenschutz verlassen. Der Kellner bestellt zwei Taxis. Wir haben verschiedene Wege. Was ich denn jetzt noch machen würde, bis zur Abfahrt, fragt Karasek interessiert.

"Wenn ich heute schon in Berlin bin, dann gehe ich in das KaDeWe an die Austernbar. Der Horst dort 'macht' die besten Austern, die ich je gegessen habe."

Hellmuth Karasek hat jetzt den Gesichtsausdruck eines Menschen, dem es auch um das leibliche Wohl zutun ist. Er sagt: "... und wenn dann noch Platz ist, würde ich an dem gegenüberliegenden Stand noch jungen Matjes essen. Ein Genuss."

Vielleicht wird das für mich dann doch zu viel des Guten. Nach dem geistigen Genuss dieses Nachmittags auch noch weiter aus dem Vollen schöpfen ... nein.

Mit typischen Berliner Fahrern besetzt, halten zwei Taxis vor dem Lokal. Wir winken uns noch durch die verregneten Scheiben zu, bis zum Wiedersehen, und wahrscheinlich spielt der Zufall auch dann wieder eine Rolle ... wie in seinem neuesten Buch.

 




 

Artikel aus der Fachzeitschrift Buchhändler heute

 

Eine Begegnung mit James Douglas

 

"Wo ist denn der Eingang?"

von Axel Poldner

 

Die Stimme klingt aufgeregt und der ausgesprochene Satz löst das berühmt-berüchtigt-bekannte silbern-kichernde Lachen aus, das bis zu einem bestimmten Alter vermutlich Circe allen jungen Mädchen eingehaucht hat, damit auch sie zu bezirzen.

"Du spinnst", sagt jetzt eine etwas entschlossener klingende Stimme im Hintergrund, die durch die Regale zu hören ist. "Doch er ist es, komm mit nach vorn. Auf seiner Kreditkarte steht es doch: Douglas. Persönlich. Unser Chef."

Der Laden an der Düsseldorfer Kö macht einen sehr gepflegten Eindruck, aber es liegt ein Duft in der Luft, den ich nur begrenzte Zeit ertragen möchte. Also raus hier. Ich dränge James Douglas, nun endlich sein Mitbringsel zu greifen, auf Verpackung zu verzichten und daran zu denken, dass wir einen Termin bei Gerd Wehling haben.

Die Anmerkung, die James Douglas macht, mit dem Hinweis, dass man bis dahin zu Fuß gehen könne, ignoriere ich, obwohl es stimmt. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass es doch ganz gut war, die scheinbar irreparabel und orientierungslos wirkenden Verkäuferinnen zu regulieren.

"Ach so, ein Autor, der James Douglas, ein Schriftsteller, na ja."

Das Wetter ist heute sehr durchwachsen, er regnet in kurzen Zeitabständen, aber bevor der Schirm aufgespannt ist, klart es wieder auf. In den Straßencafés auf der Kö sitzen einige Menschen, meist unter großen Schirmen.

Mit James Douglas auf der Kö in Düsseldorf. Seine Gegenwart signalisiert Erlebnisse und Überraschungen. Ich erinnere mich an den Tag, an dem er bei mir klingelte und zu mir sagte, dass er zwar nicht James Douglas heiße, es aber doch werden wolle, weil er nicht einsehen könne, dass für einen deutschsprachigen Thriller-Autor die Landesgrenzen nur schwer zu überwinden sind.

Als Dr. jur. Ulrich Kohli — noch dazu als Anwalt mit Sitz in Zürich und New York — wäre das wohl keine zwingend gute Startbads.

"Die amerikanische Literaturszene gibt einem deutschsprachigen Autor wenig Chancen. Ich will nicht, ich muss ein Pseudonym wählen, ein typisch amerikanisches."

Der Mann muss wissen, was er will, dachte ich.

 

Dann erschien das erste Buch: Brennpunkt Philadelphia, ein Thriller. Atmosphäre hageldicht. Bei der Lektüre war ich im Sinne der Wortausdeutung von dem ersten Buchstaben bis zur letzten Zeile "gefesselt". Das Buch ist gut. Ganz einfach gut. Alm wurde es "auf Verdacht" übersetzt, in das Amerikanische, mit einem Ergebnis, das mich staunen lässt.

Und dann geschah es. Tatsächlich: der in New York ansässige Verlag Marlowe & Company — Publishers Group West — legte einen akzeptablen Verlagsvertrag vor und publizierte das Buch. Ich erinnere mich, als würde ich es jetzt erleben, denn als James Douglas mir das erste Exemplar überreichte, hatte er einen nicht unbedingt definierbaren listig-fröhlichen Blick, der aber doch in der Konsequenz unausgesprochen signalisierte, dass er ein amerikanisches Pseudonym wählen musste ...

 

Zu diesem Zeitpunkt war das zweite Manuskript vollendet, eine Arbeit über die Jahre, bei unabdingbar sorgfältigster Recherche. Und wie von Zauberhand geführt, traf die Thematik wieder punktgenau den Zeitgeist: Das Nazi-Gold in der Schweiz. Bevor die Medien diese Thematik aufgriffen, war das Buch schon lieferbar: Goldauge. Wieder ein Thriller. Wieder ein mit allen Varianten und von sprachgewaltigen Attituden begleiteter Thriller eines deutschsprachigen Autors mit amerikanischem Pseudonym. Zwei Monate später erschien die Taschenbuchausgabe seines ersten Buches bei Ullstein.

James Douglas kommt an. Auch im deutschsprachigen Raum, von dem aus auch in Zukunft seine Bücher den Zugang zur literarischen Welt ohne sprachliche Eingrenzung finden.

 

Wir gehen über die Kö, ein Fußweg also, der auf Anregung des Autors genommen wird, die Sonne strahlt stechend zwischen den Wolkenfetzen mit Signalwirkung.

"Es ist ja so", sagt James Douglas — oder Dr. Ulrich Kohli? —, "dass der Mensch im Grunde auch ein suchendes Wesen ist, auf der Suche nach Halt, Geborgenheit, Erlebnisdichte, Glauben, was auch immer. Und wir befinden uns in einer Zeit der Neuorientierung, auch des Umbruchs, der auch durch die Jahrtausendwende scheinbar Schubkraft nimmt. Der ideale Boden für Sekten, Gurus, Verführer."


Bisher 18 belletristische Publikationen

des Autors James Douglas


Titel Douglas

 

Wir gehen an einem Kiosk vorbei. Die Presse spiegelt die Worte des Autors: Boulevard-Journalismus, aber am Puls der Zeit.

"Ein Autor muss das ahnen können, den Zeitgeist spüren, das, was uns künftig tangiert", sagt James Douglas und ergänzt: "Ich habe wieder Glück gehabt. Mein neues Buch, Der Sintfluter, vor drei Jahren begonnen, beinhaltet die Thematik, die uns jetzt bewegt."

Das ist ein gefährliches Spiel, ja, und auch der Stoff für einen Thriller, den ich selbst gleich nach Erscheinen lesen muss.

Am Ende der Straße geraten wir auf den Radfahrweg, der nicht gut gekennzeichnet ist, dafür aber durch lebhaftes Klingeln als solcher reklamiert wird. Jetzt biegen wir links ein, rechte Straßenseite, linke Straßenseite? Wir entscheiden uns für die rechte und überqueren auch die lebhaft frequentierte Herzogstraße in Höhe der Ampel. Da ist die Hausnummer, Herzogstraße 53. Aber scheinbar mit zwei Eingängen. James Douglas sucht links, ich rechts, dann finden wir den Eingang.

Gerd Wehling begrüßt uns herzlich, wir kommen schnell ins Gespräch, die gesamte Atmosphäre des Arbeitszimmers signalisiert ohnehin Vertrauen, eine der Voraussetzungen für einen guten, offenen Gedankenaustausch.

Die Zeit vergeht schnell, wir verabschieden uns. Die Tür des Hauses schließt sich. James Douglas sagt urplötzlich zu mir: "Wir haben den Eingang doch schnell gefunden, oder?"

Ich nicke etwas geistesabwesend und ertappe mich bei dem Gedanken, dass der deutschsprachige Thriller-Autor James Douglas auch den Eingang der Tür zum Weltmarkt finden wird. Bestimmt!

 

Das jetzt gerade gegenwärtige Wetter korrespondiert nicht mit unserer Stimmungslage. Also her mit einem Taxi. Es kommt keins, wir stehen suchend an der Ecke der vor uns liegenden Königsallee. Hier brauchen wir keinen Eingang. Man muss nur warten und wissen, wo man hin will.

"Wieder zu den kichernden Mädchen?" frage ich. "

Nein, lass uns lieber in der NT-Kneipe irgendetwas trinken."

 




Artikel aus der Fachzeitschrift Buchhändler heute

 

Herbert Reinecker auf neuen literarischen Pfaden

 

Ein Fixstern unter den Stars der Krimi-Literatur

von Peter Breuer


Vor Kurzem erschien in der Nördlinger Edition Steinmeier in bemerkenswertes Buch, das so gar nicht in die Welt der gängigen Krimiliteratur passen will. Und doch dreht sich alles bei den sehr persönlichen Kleinen Gesprächen mit der Gegenwart des weltbekannten Schriftstellers und TV-Autors Herbert Reinecker um sein lebenslanges Thema Kriminalistik ...

 

Sein neues Buch Warten auf Nachricht ist ein Kaleidoskop voller Lebensweisheiten, psychologischer Delikatesse und tiefgründiger Bonmots. Wer seine Texte und Prosastücke liest, versteht erst jetzt, wie es diesem Meister und genialen Schöpfer atemberaubender Krimiserien gelingen konnte, über Jahrzehnte hinweg Millionen TV-Zuschauer und Leser seiner Bücher in aller Welt zu fesseln.

 

Herbert Reinecker wurde in Hagen als Sohn eines Reichsbahnbeamten geboren. Bereits mit 15 Jahren begann er als Mitarbeiter bei der Hagener Zeitung und schrieb hier seine ersten Geschichten. Im Zweiten Weltkrieg war er Soldat und Kriegsberichterstatter. Seine Eindrücke und Erfahrungen aus dieser Zeit verarbeitete er in den Kinofilmen Taiga, Kinder, Mütter und ein General und Canaris, für den er 1955 den deutschen Filmpreis erhielt.

Mitte der 50er Jahre gelang ihm der große Durchbruch als Autor bei Funk, Film und Fernsehen. Er wurde vielbeschäftigter Drehbuchautor für deutsche Unterhaltungs- und Kriminalfilme und erhielt viele nationale und internationale Auszeichnungen. In den 70er und 80er Jahren galt Herbert Reinecker als meistbeschäftigter Fernsehautor. Mit seinen Serien Der Kommissar und Derrick verschaffte er den Bühnenprofis Ode, Tappert und Wepper einen lebenslangen Eintritt in die Wohnstuben klassischer Krimikonsumenten — immer mit leisen Tönen und humorvollem Feinsinn. In über 100 Ländern schauen ihm die Anhänger seiner gewaltfreien "Aufklärungsarbeit" über die Schulter.

Diese kriminalistische Filigranarbeit rundete Herbert Reinecker — was viele nicht wissen — durch ein jahrzehntelanges literarisches Schaffen ab, das zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele, Romane, eine Autobiographie, Essays, Drehbücher und beliebte Filmstoffe wie Das Traumschiff und Jakob und Adele hervorbrachte.

 

Mit dem jetzt vorliegenden Prosaband Warten auf Nachricht zieht Herbert Reinecker eine Bilanz seines lebenslangen Schaffens als Mensch und Schriftsteller. Seine Kleinen Gespräche mit der Gegenwart reflektieren Gedanken und Betrachtungen über das Schreiben, über die Sinnsuche menschlichen Strebens und Lebens und die Sehnsucht nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Toleranz — aber sie sind auch erfüllt von der Ahnung um die Unergründlichkeit menschlicher Existenz.

 

Wahrlich, ein farbenprächtiges Mosaik lesbarer Gedanken und Denkanstöße, ein wunderschönes Geschenkbuch für alle Anlässe, das ich allen Lesern dieses Magazins wärmstens empfehlen kann.

 


 


Wolf Aurich – Niels Beckenbach – Wolfgang Jakobsen

 

Reineckerland

Der Schriftsteller Herbert Reinecker

 

Erschienen im Verlag

et+k edition text + kritik – München

in Kooperation mit der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen – Berlin

 

 

Herbert Reinecker war der erste Autor der Literatur-Agentur Axel Poldner. Er arbeitete mit ihr zusammen seit dem Gründungstag der Literatur-Agentur bis zu seinem Ableben am 27. Januar 2007.

Im Laufe der Jahre wurden 62 Titel mit und über die  Literatur-Agentur publiziert.


In der jetzt erschienenen Monographie über das Leben des Erfolgsautors wurde von den Herausgebern dieses Buches Axel Poldner gebeten über seine Zusammenarbeit und über den Menschen Herbert Reinecker zu berichten.

 

So lesen wir ab Seite 289 des Buches unter anderem:

 

Axel Poldner erzählt, dass aus der professionellen Beziehung , die er zu Reinecker hatte, eine Freundschaft erwuchs. Je älter Reinecker wurde, so erinnert er sich, desto mehr öffnete sich dieser, der an sich „die absolute Nähe nicht suchte“. Er lernte einen Mann von „absoluter Disziplin“ kennen, der Mühe hatte „aus der Einsamkeit herauszufinden“. Das „Phänomen der Wandlung der Gesellschaft“ beschäftigte ihn zusehends. Poldner vermutet, dass der Wandel für Reinecker auch ein „bißchen Bedrohung“ beinhaltete, weil sie ihn „in den Sog der eigenen Vergangenheitsbewältigung“ mitzog, Manche politische Veränderung sah Reinecker aber auch positiv, etwa die Wiedervereinigung.

 

Im Buch selbst wird Axel Poldner öfter zitiert, ein Register zeigt die Seiten mit seinen Kommentaren und Berichten über einen der erfolgreichsten und meist verbreiteten deutschen Autors, dessen Werke Zugang zu 112 Ländern fanden.


Das erste Buch über einen Autor der Literatur-Agentur Axel Poldner, dass zugleich eine Annäherung an  den begnadeten Schriftsteller sucht.